Mittwoch, 6. August 2014

Das Recht auf eine Toilette (05.08.2014)

Vom malerischen Arm des Altrheins bei Worms bricht Ernst früh auf, um möglichst weit Richtung Wiesbaden zu kommen, wo am Mittwoch die Medienkonferenz stattfinden wird.

Das malerische Element währt nicht aber sehr lange: Schon sehr bald tauchen am rechten Rheinufer die stillgelegten Atommeiler von Biblis mit ihren vier riesigen Kühltürmen auf.

Bald danach, bei der ersten Tagespause in Gernsheim, Abbauarbeiten nach dem grossen Fischerfest. Der Rhein war und ist traditionell auch Nahrunsmittelquelle für seine Millionen von Anwohner. Mitten im Gewühl schaffen uns die sehr hilfsbereiten Wasserschutz-Polizisten einen Platz für den Camper, wo Ernst sich ausruhen und etwas essen kann.

Dann die alltägliche Suche nach einer Toilette: Für uns eine manchmal etwas lästige Aufgabe. Eine Milliarde Menschen muss aber nicht einmal suchen: sie hat gar keinen Zugang zu einem Abwassersystem. Und wo es keine sanitären Anlagen und Kanalisationen gibt, breiten sich Krankheiten und Seuchen besonders gut aus.

Das Menschenrecht auf Wasser ist auch das Recht auf sanitäre Anlagen, also die Entsorgung von Abwässern. Und somit eben auch das Recht auf eine Toilette.   

140805_Toilette © Das blaue Wunder
140805_Toilette © Das blaue Wunder

Ein Tag mit den deutschen Medien (06.08.2014)

Ein voll bepackter Mittwoch: Etwas mehr als der Hälfte der Strecke liegt hinter Ernst und seinem Tean. In einer Medienkonferenz für deutsche Medien in Wiesbaden gibt Ernst umfassend Auskunft. Nach der für Kapitän Pablo und Ernst anspruchsvollen Passage der Main-Mündung steigt Ernst dazu in der Bastion von Schönborn in Mainz-Kastel aus dem Rhein.

Der Ort Wiesbaden ist kein Zufall: Hier hat Hauptsponsor P&I seinen Sitz. Die Projektverantwortlichen von P&I beweisen eine gute Nase: Die Bastion ist mit ihrem Strand und dem historischen Gebäude ein Juwel direkt am Rhein.

Medienschaffende von Radio, Fernsehen und Printmedien befragten Ernst während fast vier Stunden, dann stehen noch einmal zweieinhalb Stunden Schwimmen auf dem Programm: Auf Wunsch der Wasserschutzpolizei schwimmt Ernst linksrheinisch, denn in Mainz sorgt eine Brückenbaustelle für enge und potentiell gefährliche Verhältnisse auf dem Rhein.

Nach 24 Kilometern ist Schluss für diesen speziellen Tag: Der zweite von nur drei Medienterminen der «Expedition 2014» ist erfolgreich abgeschlossen. Ein herzliches Dankeschön an die Crew von P&I, die uns grossartig unterstützt und an Jürgen, der uns im Kanu begleitet hat.

140806_Ernst Bromeis mit Ralf Kraft von der Bastion von Schönborn © Das blaue Wunder klein
140806_Ernst Bromeis mit Ralf Kraft von der Bastion von Schönborn © Das blaue Wunder klein
140806_Mainzer Dom und vorne das Rathaus © Das blaue Wunder
140806_Mainzer Dom und vorne das Rathaus © Das blaue Wunder
140806_Mainzer Dom und vorne das Rathaus © Das blaue Wunder
140806_Mainzer Dom und vorne das Rathaus © Das blaue Wunder

Montag, 4. August 2014

Rhein der Gegensätze (04.08.2014)

 

Nach einer vollen Woche ist Ernst erstmals wieder im Rhein. Der Strom lässt ihn sofort seine ganze Kraft spüren: Das Hochwasser sorgt für eine hohe Vorwärtsgeschwindigkeit aber auch für starke Strömungen und immer wieder für Strudel. Die schweren Schiffe, die sich mühsam bergwärts arbeiten, schieben grosse Bugwellen vor sich her und wühlen den Fluss zusätzlich auf. Ernst wird in diesem Wellenchaos immer wieder wie ein Spielball hin- und hergeworfen.

Die Auen und Arme des Altrheins bieten wundervolle Naturschutz- und Naherholungsbiete, die sich aber unvermittelt abwechseln mit Kraftwerken und Industrieanlagen. Es ist ein Rhein der Gegesätze.

Nach der Mittagspause hat Ernst sich dann schon etwas besser an die Bedingungen gewöhnt und kommt gut vorwärts. Mit 56 Kilometern schafft er an einem langen Tag im Wasser eine sehr gute, erste Tagesleistung nach der Zwangspause und den beiden langen Laufstrecken.

Die Nacht verbringt das Team dann auf dem Gelände eines kleinen Bootsclubs an einem Nebenarm des Altrheins in Lampertheim: Hilfsbereitschaft und Sportbegeisterung werden hier gross geschrieben. Vielen Dank!

140804_Altrip © Das blaue Wunder
140804_Altrip © Das blaue Wunder
140804_Speyer © Das blaue Wunder
140804_Speyer © Das blaue Wunder

Sonntag, 3. August 2014

Unter dem Flügel eines Jumbo-Jets (03.08.2014)

Noch einmal zieht Ernst statt dem Neopren die Laufschuhe an: Von Münchhausen bis Germetsheim sind es auf dem Rhein 37 Kilometer. Schwimmend wäre das dank der guten Strömung in ein paar Stunden zu schaffen. Zu Fuss sind es - wegen der vielen Umwege um Hafenbecken, Rheinauen und Sperrungen wegen Hochwassers ganze 49 Laufkilometer - oder mehr als eine volle Marathondistanz.

Laufend nimmt Ernst diesen vielfältigen Abschnitt des Rhein noch einmal ganz anders wahr: Die Spannweite der Eindrücke reicht von überschwemmten Auenwäldern über schmucke, kleine Dörfer bis zum hoch industrialisierten Gebiet um Karlsruhe mit einer Autofabrik, einem Containerhafen und einer Raffinerie.

Ganz ohne Wasser geht's auch heute nicht: Immer wieder sind Teile der Wege überflotet und kurz vor Germetsheim muss Ernst wieder mehr als knöcheltief Waten. In Germetsheim beim Rhein-Kilometer 484 endet dann aber der Rheinabschnitt mit Hochwsasserstufe 1 und dem Schwimmverbot. Morgen geht's wieder ins Wasser!

A propos Spannweite: Das Team übernachtet in Speyer, gleich neben dem Technik-Museum. Im Freigelände steht auf riesigen Stützen eine alte Boeing 747 der Lufthansa. Schlafen unter dem Flügel eines Jumbo-Jets...

 
140803_Ernst Bromeis Hafen Wörth © Das blaue Wunder - Christian Gartmann
140803_Ernst Bromeis Hafen Wörth © Das blaue Wunder - Christian Gartmann
140803_Bromeis waten © Das blaue Wunder - Christian Gartmann
140803_Bromeis waten © Das blaue Wunder - Christian Gartmann
140803_Speyer Jumbo © Das blaue Wunder - Christian Gartmann
140803_Speyer Jumbo © Das blaue Wunder - Christian Gartmann

Samstag, 2. August 2014

Knietief auf dem Radweg (02.08.2014)

Liebe Freunde vom blauen Wunder und der Expedition 2014

Als ich letzten Montagabend in Iffezheim aus dem Wasser stieg, brüllte ich vor Freude. Ich hatte die letzte von 22 Schleusen erreicht – 170 sehr anstrengende Kilometer gestauter und schwer verbauter Rhein lagen hinter mir. Von nun ab würde der Rhein (mit mir) freier fliessen und mich flott vorwärts bringen.

Als uns die Wasserschutzpolizisten dann darauf hinwiesen, dass nun «Hochwasserstufe 1» herrsche und das Schwimmen ab der Schleuse verboten sei, realisierten wir aber schnell, dass wir nun blockiert sein würden. Ein Ignorieren eines Verbotes kam von Anfang an nicht in Frage. Was wäre ich für ein Vorbild, wenn ich trotz der grossen Gefahren und des für alle geltenden Verbotes trotzdem weiterschwimmen würde?

So richteten wir uns in der nahen Freizeitanlage ein und prüften mehrmals täglich den Pegelstand in Maxau, der für die Regelung des Schwimmverbotes relevant ist. Statt zu sinken, stieg der Pegel aber. Bei «unserer» Schleuse in Iffezheim sogar bis zur «Hochwassermarke 2» ab welcher auch die Schwerlastschiffe nicht mehr verkehren dürfen. Fünf lange Tage vergingen, ohne dass etwas passierte.

Anfangs war ich unruhig und nervös. Erst mit der Zeit – nach vielen Gesprächen in meinem kleinen Team und mit Freunden zuhause – konnte ich akzeptieren, dass Warten nun einmal die einzige Option ist. Auch Abwarten gehört zu einer Expedition. Bis zum Wochenende wollten wir uns Zeit nehmen und hofften, Sonntag oder Montag weiterschwimmen zu können.

Heute Samstag kam dann die Wende – leider auf die negative Seite: Die Pegel sinken mittelfristig nicht, sagt die Prognose. Ich musste mich entscheiden: Zwar hat die «Expedition 2014» keinen festen Etappenplan, aber auch sie kann nicht ewig dauern. Meine Optionen waren also: Abbrechen oder das Hindernis umgehen. Letzteres ist möglich, weil die Hochwasserstrecke «nur» etwa 50 Kilometer misst.

Ich habe mich also entschlossen, das Schwimmverbot im wahrsten Sinne des Wortes zu «umgehen». Heute Nachmittag bin ich zu Fuss von Iffezheim aufgebrochen und morgen Sonntagabend will ich in Germetsheim sein. Dort, wo ich voraussichtlich wieder als Schwimmer in der Rhein darf.

 

Knietief auf dem Radweg.

Als leidenschaftlicher Schwimmer habe ich mir diesen Entscheid nicht leicht gemacht: Schliesslich wollte und will ich so viele von den 1247 Kilometern meiner Expedition wie möglich im Wasser – als Schwimmer – hinter mich bringen. Wo ich nicht schwimmen kann oder darf, bewege ich mich ohne Hilfsmittel, also zu Fuss.

Das Umgehen der Gefahrenstelle ist die einzige Möglichkeit, die Expedition fortzusetzen. Andernfalls wären wir hier bestimmt die ganze Woche, oder sogar noch länger, festgesessen. Ganz ohne Wasser geht es aber auch zu Fuss nicht: Schon auf den ersten Kilometern war mein Weg in der Nähe des Rheindamms knietief überflutet und ich bekam – gelinde gesagt – ganz schön nasse Füsse.

Nächstes Mal hoffe ich, wieder mehr von meiner schwimmenden Expedition berichten zu können. Im Blog auf www.dasblauewunder.ch oder über www.twitter.com/ErnstBromeis erfahrt Ihr täglich das Neueste. Ich freue mich, wenn Ihr unsere Beiträge teilt und weiterleitet!

Herzlich – Euer Ernst Bromeis

 

PS:

Die Medien berichten vielfältig über die Expedition 2014

Die Frankfurter Allgemeine (FAZ) widmete uns am vergangenen Sonntag eine volle Seite

Das Nachrichtenmagazin 10vor10 des Schweizer Fernsehens SRF brachte einen umfangreichen Beitrag.

 

 

 

140802_Rhein-Kilometer 336_Hochwasser © Das blaue Wunder
140802_Rhein-Kilometer 336_Hochwasser © Das blaue Wunder
140802 Knietief © Das blaue Wunder
140802 Knietief © Das blaue Wunder
140802_Iffezheim_Radweg unter Wasser © Das blaue Wunder
140802_Iffezheim_Radweg unter Wasser © Das blaue Wunder

Ernst geht weiter (02.08.2014)

MEDIENMITTEILUNG VOM 2. AUGUST

Ernst Bromeis geht weiter

Iffezheim, 2. August 2014. Die Hochwassersituation im Oberrhein lässt nicht nach. Der Wasserbotschafter und Langdistanz-schwimmer Ernst Bromeis ist deshalb gezwungen, einen Flussabschnitt ab Iffezheim bei Karlsruhe zu Fuss zu umgehen. Seit vergangenem Montag hatte er wegen eines Schwimmverbots in Iffezheim festgesessen.

Ernst Bromeis ist am Samstagabend zu Fuss aufgebrochen, um einen vor ihm liegenden Flussabschnitt zu umgehen. Das anhaltende Hochwasser lässt im Abschnitt unterhalb der Schleuse Iffezheim das Schwimmen nicht zu. Die Prognosen machen keine Hoffnung auf eine baldige Entspannung der Hochwasserlage.

«Ich habe mir diesen Schritt sehr gründlich überlegt, denn mein Plan ist es, so viel wie möglich zu schwimmen» erklärte Bromeis am Samstag. «Aber die andauernde Hochwasserprognose gibt mir keine Hoffnung, vor Ende der kommenden Woche weiterschwimmen zu können. Die «Expedition 2014» muss weitergehen – im Moment halt zu Fuss.»

Von der gesamten Strecke der «Expedition 2014» von 1247 Kilometern sind bei normalen Bedingungen rund 110 Kilometer nicht schwimmbar. Ernst Bromeis geht sie ausnahmslos zu Fuss: Grosse Teile des ersten Abschnitts von der Quelle bis Surrein im Vorderrheintal, der Rheinfall, sämtliche Schleusenanlagen und Stauwehre oder die Strecke um die Lorelei sind nicht schwimmbar oder mit einem Schwimmverbot belegt. Mit dem durch Hochwasser bedingten Schwimmverbot zwischen Iffezheim und Germetsheim kommen nun weitere rund 50 Kilometer dazu.

Ernst Bromeis war am 7. Juli am Lago di Dentro im Schweizer Kanton Tessin gestartet, um den Rhein im Alpinstil, also ohne grossen Begleittross, zu durchschwimmen. Seit Beginn seiner «Expedition 2014» hatten sehr tiefe Temperaturen und Hochwasser für schwierige Bedingungen gesorgt. Seit Montag, 21. Juli war er in Iffezheim bei Karlsruhe blockiert, weil der vor ihm liegende Abschnitt wegen Hochwassers für Schwimmer gesperrt wurde.

 
140802_Ernst Bromeis Start an der Schleuse Iffezheim © Das blaue Wunder - Dorothée Meddens -
140802_Ernst Bromeis Start an der Schleuse Iffezheim © Das blaue Wunder - Dorothée Meddens -

Freitag, 1. August 2014

Fast so leise wie ein Floss (01.08.2014)

Kapitän Pablo Pinkus (44) hält sich am liebsten im Hintergrund. Als Bootsführer ist er für den Betrieb unseres wichtigen Begleitbootes «Blue connects» verantwortlich. Ernst hatte es im Vorfeld der Expedition 2014 in Holland gekauft – Pablo machte es dann bereit für die besonderen Anforderungen der Expedition.

«Statt mit einem lärmigen 120 PS Zweitakter läuft die Blue connects nun zwei nur 10 PS starken Viertaktern mit gekoppelter Steuerung», erklärt er beim Nachtessen. «Das gibt uns in starker Strömung immer die Sicherheit des zweiten Motors und dennoch sind wir im Normalbetrieb sehr leise.» «Wenn wir ankommen, fliegen nicht einmal die Vögel weg,» bestätigt Ernst. «Wir sind fast so leise, wie ein Floss.»

Einer der beiden Motoren macht Pablo allerdings grosse Sorgen: Beim Austausch einer Dichtung brach am Donnerstag ein Metallteil. Heute kam die Nachricht, dass das Ersatzteil nicht im nahen Mannheim erhältlich ist. So fährt Pablo am Samstag extra nach Stuttgart, um das Teil zu besorgen. Vorher betätigt er sich am Abend des Schweizer Nationalfeiertages* aber noch als Grillmeister: Vom improvisierten Rost gibt es «Soul Food» für die Mannschaft: Steaks und Bratwürste. 

Pablo wuchs in Zürich auf und zog mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter vor zwanzig Jahren nach Amsterdam. Er studierte visuelle Kommunikation und ist heute als Ausstellungsgestalter in mehreren Ländern tätig. In seiner Freizeit fährt er ein altes Frachtschiff, das er zum schwimmenden Camper umgebaut hat. Als ihm unsere Dokumentarfilmerin Dorothée von der Expedition 2014 erzählte, sagte er spontan zu, als Kapitän zu agieren.

 

 

* Für unsere Leser aus Deutschland und Österreich: Der 1. August ist der Schweizer Nationalfeiertag. Traditionell wird er mit Feuerwerk und grossen Höhenfeuern auf den Gebirgszügen der Alpen gefeiert.

140801_Pablo Pinkus_klein © Das blaue Wunder - Christian Gartmann.JPG
140801_Pablo Pinkus_klein © Das blaue Wunder - Christian Gartmann.JPG