Mittwoch, 20. August 2014

Hinaus auf das offene Meer (20.08.2014)

Schon eine Stunde vor dem geplanten Startzeitpunkt im Berghaven von Hoek van Holland belagern die Medien Ernst. Die Holländer sind «wasserverrückt» die Radios, Zeitungen und Fernsehsendungen haben Ernst und seine erfolgreiche Expedition in Rekordzeit aufgenommen und zu einem grossen Thema gemacht.

Nach einem Sicherheitsbriefing mit der Crew des Begleitbootes der Hafenmeisterei von Rotterdam läuft das hochseetaugliche Patrouillenboot aus dem kleinen Hafenbecken in den Kanal aus. Im Top des Masts weht die Bündner Flagge.

Vor den Linsen der Fernsehteams und Fotografen springt Ernst ein letztes mal in den Rhein. Anfangs ist Ernst im fast flachen Wasser unterwegs, aber je näher er dem offenen Meer kommt, desto höher werden die Wellen. Bald schwimmt er in 60 bis 150 cm hoher Dünung hinaus aufs offene Meer. 

An Bord des Patroiullenbootes verfolgen Kapitän Pablo, Lotse Han und Dokumentarfilmerin Dorothée die letzten Kilometer von Ernst auf seiner Expedition. Mit dabei ist auch Ernst Denoth, der extra aus der Schweiz angereist ist. An Land ist Ernsts Familie mit Martin unterwegs und am Strand von Hoek van Holland bereitet Christian zusammen mit Isabel die letze Medienkonferenz vor.

Kurz vor 11 Uhr geht Ernst an der Position 51° 59,743' N / 4° 2.472' E in der Nordsee vor Hoek van Holland wieder an Bord des Patrouillenbootes. Emotional aufgewühlt fährt er im Kreis seiner Mannschaft zurück in den Berghaven. 

Die Medienkonferenz am Strand wird zu einem kleinen, familiären Happening. Das ganze Team ist anwesend und lässt das Erlebte noch einmal Revue passieren. Ein emotionaler Moment für alle: Die letzten sieben Wochen haben diese heterogene Gruppe zusammengeschweisst. Zusammen mit Ernst hat sie viel erlebt.

Der abschliessende Fototermin findet am Strand statt. Ernst geniesst es, im Sand zu laufen zu können: Am 7. Juli hatte er am Lago di Dentro Eis unter den Füssen...

Nach einer letzten Teamsitzung trennen sich die Wege von Ernsts Begleitern. Die Expedition 2014 ist erfolgreich beendet.

140820_Team Expedition 2014 © Das blaue Wunder - Cornelia Camichel  small
140820_Team Expedition 2014 © Das blaue Wunder - Cornelia Camichel small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 3 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 3 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 4 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 4 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 2 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 2 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland_NOS TV © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland_NOS TV © Das blaue Wunder - Belli Wenger small

Dienstag, 19. August 2014

Die grosse Passage (19.08.2014)

Bei der Ersamusbrücke in Rotterdam liegt der Rhein-Kilometer 1001 – gemessen ab Konstanz. Sie ist für Ernst ein weiterer «magischer Ort» auf seiner Expedition. Schon um halb sieben bricht er mit der besten Gezeitenströmung auf, um die Stadt vor 9 Uhr zu erreichen. Das Vorhaben gelingt: Just zum Einsetzen der Flut vollendet er den Kilometer 1001 unter der Erasmusbrücke. «Wir hätten keine 10 Minuten länger schwimmen können», lacht er bei der Pause beim Rotterdamer «Hotel New York».

Die Bevölkerung von Rotterdam macht die Passage zu einem besonderen Erlebnis: Radiostationen in der Stadt hatten am frühen Morgen ausführlich über den Schweizer Schwimmer berichtet, über dessen «kleine, leise» Expedition bisher kaum jemand etwas gewusst hatte. In Rotterdam stehen nun hunderte von Schaulustigen an den Ufern des Rheins und winken Ernst und seinen Begleitern zu. «Das war richtig inspirierend.»

Beim Kilometer 1001 ist aber vorerst auch wieder Schluss mit Schwimmen: Die Hafenmeisterei erlaubt weder das Durchschwimmen der Einfahrten zu den zahlreichen Hafenbecken, noch des 20 Kilometer langen Kanals für Hochseeschiffe zwischen Rotterdam und Hoek van Holland.

Ernst nimmt’s sportlich und geht die anstehenden gut 30 Kilometer noch einmal zu Fuss: «Natürlich ist es ärgerlich, dass ich diese Strecke trotz meiner erfahrenen Begleiter nicht schwimmen darf. Aber die Weisung dient objektiv betrachtet meiner Sicherheit und sie ist auch zu respektieren.»

Allein zu Fuss unterwegs nimmt er gedanklich Abschied vom Rhein und seiner Expedition 2014. Er ist froh, wieder nach Hause zu kommen und gleichzeitig sehr traurig, dass sein grosses Projekt nun morgen zu Ende geht.

140819_Kilometer 1001 © Das blaue Wunder - Pablo Pinkus
140819_Kilometer 1001 © Das blaue Wunder - Pablo Pinkus

Montag, 18. August 2014

Auf Meereshöhe (18.08.2014)

Am zweiten Tag im Einfluss der Gezeiten steigt Ernst um 11:30 Uhr ins Wasser. Weil durch die Gezeiten nur sechs Stunden zum Schwimmen zur Verfügung stehen, versucht er, jede Minute zu nutzen. Die Pausen zum Essen und Trinken fallen so kurz aus wie vorher nie während der Expedition. 

Starker Wind und schnell wechselndes Wetter erschweren wie gestern das Vorwärtskommen. Böen bis zu Windstärke sechs peitschen Ernst Wellen ins Gesicht, dazwischen fällt immer wieder Starkregen. 15 der 20 Tageskilometer meistert er statt im Crawl- im Bruststil. Die Rhein-Geraden in der Ebene scheinen endlos, aber Ernst beisst sich durch. In Krimpen an der Lek hat ist das Tagesziel von 20 Kilometern erreicht - das Navigationssystem zeigt nun Meereshöhe an. 

Das Team übernachtet bei einem kleinen Bootshafen. Nach dem intensiven Tag freuen sich alle auf ein Käsefondue – zubereitet von Isabel, die seit Duisburg als Logistkerin, Fahrerin und Allrounderin beim Team ist. Vor dem Team liegt Rotterdam!

140818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek2 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann  small.JPG
140818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek2 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann_small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann_small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Windmühlen_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Windmühlen_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Tanker_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Tanker_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek3 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek3 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG

Sonntag, 17. August 2014

Die Regeln von Vater Rhein (17.08.2014)

Der Rhein macht seine eigenen Regeln – und die können mehrmals täglich ändern. Wer den Rhein schwimmt, hat sich darauf einzustellen. Für heute waren erstmals Gezeiten angekündigt: 90 Kilometer vor der Küste drückt die Flut aus dem Meer ins Rheindelta – der Rhein sinkt und steigt mit Ebbe und Flut. Gegen die ansteigende Flut anzuschwimmen ist sinnlos. Zweimal pro Tag bietet sich ein Zeitfenster von maximal sechs Stunden, um bei ablaufender Flut zu schwimmen. Leider liegt meist eines davon in der Nacht. 

Für die Querung der Häfen von Rotterdam und die Gezeitenproblematik ist neu Han Huson im Team. Han ist pensionierter Lotse; während 25 Jahren hat er Kapitänen von 50 bis 300 Meter langen Schiffen den richtigen Weg durch schwierige Passagen auf dem Weg in die grossen Häfen gezeigt. Zu seinen Kunden gehörten Frachtschiffe, Passagierdampfer und militärische Schiffe; ja sogar das russische Schulschiff «Mir», ein imposanter Dreimaster, waren darunter.

Han hatte die Rheinkarten, Gezeiten-Tabellen und spezielle Strömungstabellen studiert und errechnet, dass der früheste, vernünftige Startzeitpunkt nicht vor 12:00h sein würde. Dann würde die Flut wieder beginnen, ins Meer abzulaufen. Das Team durfte heute also ausschlafen – aus lauter Gewohnheit waren aber fast alle schon um sechs Uhr wach. 

Ernst wusste, dass ein schwieriger Tag bevorstand. In nur sechs Stunden zwischen 12 und 18 Uhr musste er so viele Kilometer wie möglich schaffen und wollte dazu so lange wie möglich im Wasser bleiben. Das Wetter spielte ihm aber übel mit: Schon frühmorgens blies der Südwest- und Westwind mit fünf und mehr Windstärken und sorgte für Wellen wie in einem grossen See. Am Nachmittag kam dann ergiebiger Regen dazu, der gegen Abend so intensiv wurde, dass sich sogar die Sicht verschlechterte. Dennoch schaffte Ernst 21 Kilometer. Auch morgen geht es wieder am Mittag los und Vater Rhein macht auch morgen wieder die Regeln.

140817_Han Huson © Das blaue Wunder - Christian Gartmann-small
140817_Han Huson © Das blaue Wunder - Christian Gartmann-small
140817_Schoonhoven © Das blaue Wunder_small
140817_Schoonhoven © Das blaue Wunder_small

Samstag, 16. August 2014

Bergaufschwimmen zur letzten Schleuse (16.08.2014)

Der Lärm eines Platzregens auf dem Dach des Wohnmobils macht die Mannschaft früh hellwach. Das Wetter reisst aber rasch auf und zeigt sich zum Startzeitpunkt freundlich. Nun ist es windstill und Ernst kommt gut voran, obwohl er fast keine Strömung nutzen kann.

Nur fünf Kilometer nach dem Frühstück wartet die erste Schleuse – von weitem schon sind die Betonbauten der Stauwehre in der topfebenen, sattgrünen Landschaft zu sehen.

Schleusen sind für Schwimmer nichts Gutes: Kilometer vor und nach den Toren ist das Schwimmen aus Sicherheitsgründen verboten. Nach dem Wiedereistieg saugen sie Ernst bergwärts – mit mühsamer Ausdauerarbeit befreit er sich Meter um Meter aus ihrer destruktiven Anziehungskraft.

Ab Mittag kommt Wind auf. Zuerst zaghaft, dann immer stärker. Gegen Abend kämpft Ernst gegen Westwind mit Stärke fünf. Es ist, wie wenn er bergauf schwimmen müsste. 

Nach insgesamt sechs Stunden im Wasser und 30 Kilometern ist die Schleuse Hagestein dann doch erreicht. Sie ist die letzte auf der langen Expedition durch Europa an die Nordsee.

Ab morgen sind wir im Rheindelta – und damit den Gezeiten ausgesetzt. Aber das ist ein anderes Thema...

140816_Schleuse Hagestein © Das blaue Wunder - Belli Wenger
140816_Schleuse Hagestein © Das blaue Wunder - Belli Wenger

Freitag, 15. August 2014

Von der Brücke ins Niemandsland (15.08.2014)

Als «Die Brücke von Arnheim» wurde die alte Rheinbrücke nach dem zweiten Weltkrieg weltbekannt. Neben ihr steht in Arnheim aber auch die Nelson Mandela Brücke: Auf sie hat sich Ernst besonders gefreut.

«Wie weit würde ich für meine Ideale gehen?», fragt er sich anhand des Beispiels von Nelson Mandela: «Mandelas Leben beweist eindrücklich, was ein einzelner Mensch bewegen kann. Ich will meinen Weg durch den Rhein nicht mit dem jahrzehntelangen Leiden von Mandela vergleichen. Aber was ich tue, berührt Menschen – und das freut mich sehr.»

Nach Arnheim folgen noch einmal drei Schleusen: Knochenarbeit für Ernst. Schleusen sind Mauern und sie unterbinden die Strömung im Fluss. Dazu kommen sintflutartige Regenfälle und Sturmböen, die über Ernst und seine Begleiter in der «Blue Connects» niedergehen. 

Nach den abwechslungsreichen Tagen mit viel Strömung und vielen, schönen Städten fliesst der Nederrijn sehr gemächlich durch meist offene Landschaften. «Wie im Niemandsland», konstatiert Ernst am Abend. Statt – wie vorgestern – 60 Kilometer erackert sich Ernst 34 Kilometer. Eine tolle Leistung!

Ein Aufsteller sind die Holländer: Sie helfen dem Team, wo sie können. Einige warten mehrere Stunden am Ufer und auf ihren Booten, um Ernst beim vorbeischwimmen zu applaudieren. Morgen noch einmal zwei Schleusen, dann kommen die Gezeiten den Rhein hoch. Rotterdam, wir kommen!

140815_Ernst Bromeis_Nelson Mandela Brücke_Arnheim © Das blaue Wunder - Han Husson_small
140815_Ernst Bromeis_Nelson Mandela Brücke_Arnheim © Das blaue Wunder - Han Husson_small

Donnerstag, 14. August 2014

Holland ! (14.08.2014)

MEDIENINFORMATION VOM 14. AUGUST

Ernst Bromeis hat die Niederlande erreicht. Der Bündner Wasserbotschafter und Langdistanzschwimmer legte am Donnerstagmorgen in Millingen aan de Rijn die erste Kurzpause auf niederländischem Boden ein. Von den 1247 Kilometern seiner Expedition 2014 hat er nun 1080 hinter sich. Kommende Woche wird er voraussichtlich an der Rheinmündung in Hoek van Holland eintreffen.

«Mit Holland verbinden mich seit Jahren persönliche Freundschaften und heute vor allem die Freude, dass die Rheinmündung nun spürbar näher kommt,» strahlte Ernst Bromeis in Millingen aan de Rijn. Nach der Durchquerung des Ruhrgebiets am Dienstag hatte er am Mittwoch unterhalb von Duisburg die 1000-Kilometermarke passiert. Bei guten Wetterbedingungen und bester Strömung hatte er diese Woche bis zu 60 Kilometer täglich zurückgelegt. Zahlreiche Zuschauer hatten ihm von Deichen und Brücken zugewinkt und applaudiert.

Mit seiner «Expedition 2014» wirbt Bromeis für das UNO-Menschenrecht auf sauberes Wasser. Am 7. Juli war er zum zweiten Versuch aufgebrochen, den Rhein von der Quelle bis zur Mündung zu durchschwimmen. Bromeis ist mit seiner Initiative «Das blaue Wunder» seit 2007 als Wasserbotschafter tätig. Schwimmend durchquerte er 2008 200 Seen in seinem Heimatkanton Graubünden und 2010 die grössten Seen jedes Schweizer Kantons. 2012 hatte er zum ersten Mal versucht, den Rhein von der Quelle bis zur Mündung zu durchschwimmen. 

«Meine Schwimm-Expeditionen schaffen die Öffentlichkeit, die ich brauche, um als Wasserbotschafter gehört zu werden. Der nachhaltige Umgang mit Wasser und das noch immer für sehr viele Menschen unerreichte Menschenrecht auf sauberes Wasser sind seit Jahren meine zentralen Anliegen.»

 

Bild: Die holländische Grenze überquerte Ernst mit passender Badekappe: Ein Geschenk holländischer Freunde aus Davos.

140814_Ernst Bromeis_arrived in Holland © Das blaue Wunder - Dorothée Meddens_small
140814_Ernst Bromeis_arrived in Holland © Das blaue Wunder - Dorothée Meddens_small