Donnerstag, 2. April 2015

"Carte bleue" von Urs Wohler am 27. März UNO-Weltwasserwoche in Engiadina Bassa.

3. UNO-Weltwasserwoche, Schlussbilanz «carte bleu» von Urs Wohler, Tourismusdirektor Engadin Scuol Samnaun Val Müstair, 27. März 2015

Die 3. UNO-Weltwasserwoche war der fragenden Erkenntnis gewidmet: «Nichts verbindet (und trennt?) uns mehr als das Wasser!»

Moritz Leuenberger sagte im Mediengespräch vor dem offiziellen Start in die
3. UNO-Weltwasserwoche dazu: «Auf ethische Fragen, und davon gibt es besonders viele, gibt es nie einfache Antworten. Nicht die effektiven Werte und Verhältnisse zählen, sondern die relativen Verhältnisse.» Und als Beispiel nannte er die Umsiedlung beim Marmorera-Stausee und jene beim Dreischluchten-Staudamm in China: 20 Familien hier, 5 Mio. Menschen dort.

Da wussten wir: Wir haben uns nichts Einfaches vorgenommen, mit dieser Woche. Aber es ist auch nicht der Stil von Ernst Bromeis, etwas Einfaches zu machen. Und unser Stil auch nicht. Darum nahmen wir uns für die Beleuchtung dieser Frage eine ganze Woche Zeit.

Jon Janett sagte im Gottesdienst am Sonntag, dem UNO-Weltwassertag, dass es eigentlich selbstverständlich sein sollte, dass alle Menschen genügend Trinkwasser haben. Weil aber ökonomische Interessen über den menschlichen stehen würden, brauche es die Auseinandersetzung mit dem Thema, und mit dem Wasser.

Da dachte ich an unser Verständnis von Nachhaltigkeit. Wir verstehen sie drei-dimensional: ökologisch, ökonomisch, sozial. Alle drei Achsen im Gleichgewicht. Und in unseren Darstellungen färben wir die gemeinsame Schnittfläche goldig an. Diesbezüglich nehme ich etwas mit, was Moritz Leuenberger auch noch sagte: «Nachhaltigkeit ist dann, wenn unterschiedliche Ziele vollständig erreicht werden und nicht, wenn ein Kompromiss resultiert.» Das nahm ich mit durch die Woche und das macht mir Mut für unsere weitere Arbeit: Das Resultat von dreidimensionaler Nachhaltigkeit ist gleichberechtigt stark und nicht durchschnittlich schwach. Die Farbe des dreidimensionalen Dreiecks ist goldig und nicht grau wie ein fauler Kompromiss.

Am Sonntag haben wir noch das Band durchschnitten, still und leise, trotz vielen Gästen auf «Plaz». Nächstes Jahr werden diesen Akt Trompetenklänge begleiten der Musikschüler, die den Gottesdienst umrahmt haben.

Am Montag war die UNO-Weltwasserwoche in der Bibliothek zu Gast. Aus «Blaues Gold» las Annetta Baumann vor.  Blaues Gold ist ein Märchen aus den Bündner Bergen und erzählt von der Bedeutung und dem Umgang mit den Naturressourcen als unsere wichtigste Lebensgrundlage und grössten Reichtum. Danke an Uorschla Rauch, welche die Verbindung zu den Kindern herstellte, die zahlreich erschienen.

Von der Bibliothek ging es dann direkt ins Bogn Engiadina, wo Thor Heyerdahl einmal mehr mit seinen Freunden vom heutigen Peru nach Polynesien flösste, wozu auch Hawaii und – passend zur nächsten Woche – die Osterinseln gehören. Den Hai und den kleinen Krebs auf dem Balsaholz behalten wir in Erinnerung, aber auch die Verbindung der Männer auf dem Floss unter sich, die durch den Wind und die Strömung geknüpfte Verbindung über’s Meer und die gerissene Verbindung zwischen Thor und seiner Frau.

Dienstag. GV Pro Büvetta. Der Fels drückt. Aber es gibt Hoffnung. Immer mehr Mitglieder, immer mehr Bewegung, auch den einen oder anderen Franken mehr. Werner Reichle hat beste Werbung gemacht für die Vereinigung, trotz grossen Herausforderungen. Und Köbi Gantenbein unterhielt uns gekonnt, witzig, dicht, mit direkter Verbindung zum Wasser – hinter den Staumauern; und dem Nichts vor den Staumauern.

«Was wäre, wenn? » So stieg Ernst Bromeis am Mittwoch Abend ein in das Blaue Wunder, vor 7, 8 Jahren und letztes Jahr in den Rhein. «Was wäre, wenn ich meinen Traum verwirklichen würde? Vom normalen Arbeiten, vom Seriösen zum blauen Wunder». Und damit kehrte er an seinen Ort der Kindheit und Jugend zurück. Er erzählte vom «Scheitern“ und gleich auch vom «gescheiter» werden, was doch so stark zusammen gehört.

 

Im blauen Schloss griff gestern Jörg Perron in die kalten Tasten und spielte Georg Friedrich Händels Wassermusik. Zuerst war es warm wie damals auf der Themse am 17. Juli 1717, es kühlte dann rasch ab auf Temperaturen wie am
7. Juli 2014 am Lago di dentro, wo Ernst in den Rhein stieg. Die überschäu­mende Prosa aus dem Buch «Von Zeit und Fluss» mit der Vorleserin und Übersetzerin Irma Wehrli machte nicht warm. Aber aufmerksam. So viele Bilder habe ich in Worten noch selten gehört. - Wenn ich Zeit habe, werde ich in die üppige und überschäumende Flut der 1‘200 Seiten einsteigen und mich – im goldbraunen, warmen und lieblichen Licht der Musse – davon tragen lassen!

«Watermark» der Kontrast. Schöne und beeindruckende Bilder. Aber harte Realität. Vor einem Jahr Kinostart in den deutschen Kinos, diese Woche bereits zu Gast an den UNO-Weltwasserwochen. Der preisgekrönte Dokumentarfilm, der 20 Wasser-Geschichten rund um die Welt verbindet.

Anja Klug haben Sie selber erlebt. Was vor über hundert Jahren unsere Auswanderergeschichte war, ist heute die Tragödie anderer. Sie geht weiter. Menschen, unterwegs über das Wasser, auch auf dem Wasser der UNO-Weltwasserwochen: «Wir wollen sie nicht! ». ‚Statistiken und Ankünfte pro Monat‘ haben seit heute Abend eine definitiv andere Bedeutung für mich als bisher. Migration wird zu Flucht. Warum macht man das? Bildung, Geld verdienen, Krieg, Verfolgung, Hoffnung.

«Es ist gut, wenn man sich für etwas einsetzt, das einem nicht direkt betrifft. » sagte Moritz Leuenberger. Das haben wir heute getan und jetzt betrifft es uns auch. Das ist unser Vorsprung gegenüber denen, die nicht dabei waren. Und Verpflichtung. -

Ich ziehe eine sehr positive Bilanz. Wir haben diese Woche investiert in die mittel- bis langfristigen Mehrwerte unserer Region und Destination. Wir sind eine Destination, die weiterhin und konsequent den Fokus setzt auf unsere unaustauschbaren Werte, um im Wettbewerb mit nationalen und auch internationalen Mit­be­werbern zu noch mehr Profil zu kommen und dadurch noch interessanter und noch begehrlicher zu werden. Die UNO-Weltwasser­wochen von und mit Ernst Bromeis gehören dazu.

Wie sagte ich schon letztes Jahr: Es braucht Mut, Pioniergeist, langfristige Ziele und Mittel, um eine Positionierung zu verankern und weiter zu entwickeln! Und mit der 3. UNO-Weltwasserwoche und dem Wasser sind wir damit auf dem richtigen Weg.

Herzlichen Dank, Frau Anja Klug, für diesen aufrüttelnden Schlusspunkt!

Und an Dich Ernst, sage ich mit den Worten von Moritz Leuenberger (Zitat): "Sie tun dies seit einigen Jahren mit einem Einsatz, den ich bewundere und für den ich Ihnen danke."

Grazia fich, Ernst, per tuot Tia lavur, l'organisaziun e per teis fich grond ingaschamaint, für's "dranne Blibe".

La terza eivna da l'aua es a fin, viva l'aua!

 

4. UNO-Weltwasserwoche : Rund um den UNO-Weltwassertag am 22. März 2016. Datum und Programm zu gegebener Zeit auf:

www.uno-weltwasserwoche.ch

Foto: Urs Wohler ©Dominik Täuber

Foto: Anja Klug UNHCR und Ernst Bromeis ©Jon Duschletta

 

 

 

 Foto: Urs Wohler ©Dominik Täuber
Foto: Urs Wohler ©Dominik Täuber
Foto: Anja Klug UNHCR und Ernst Bromeis ©Jon Duschletta
Foto: Anja Klug UNHCR und Ernst Bromeis ©Jon Duschletta

Freitag, 27. März 2015

"Lampedusa - eine zivilisatorische Odyssee" mit Anja Klug UNHCR am 27. März UNO-Weltwasserwoche in Scuol.

„Lampedusa – eine zivilisatorische Odysee“ mit Anja Klug UNHCR
Die Geschichte des Unterengadins mit seinen Menschen ist eine Migrations-Geschichte. Engadinerinnen und Engadiner wanderten aus, suchten Ihr Glück im Süden bis Sizilien oder gingen in den Osten bis nach Moskau. Menschen kamen aus allen Europäischen Himmelsrichtungen um im Engadin ihre Existenz aufzubauen. Sie alle waren Wirtschaftsflüchtlinge.
Was die Menschen damals mit den heutigen Flüchtlingen verbindet, ist die Not wegziehen zu müssen, obwohl die Angst vor dem Unbekannten und die Trauer vor dem Verlust, auch der eigenen Identität, für uns wohl unvorstellbar ist.
Im Süden Europas nutzen tausende von Flüchtlingen in ihrer Verzweiflung die Wasserverbindungen im Mittelmeer um ihr Glück auf dem Europäischen Festland zu finden.
Die UNO-Weltwasserwochen haben die Ambition auch aktuelles Welt-Geschehen aufzugreifen und in einem lokalen Kontext zu stellen. Die Veranstaltung „Lampedusa – eine zivilisatorische Odysee“ soll diesem Anspruch gerecht werden.
Im Anschluss wird traditionellerweise Tourismusdirektor Urs Wohler die 3. UNO-Weltwasserwoche 2015 mit einigen persönlichen Gedanken abschliessen.

Bogn Engiadina
Scuol
Sala culturala
20.00 Uhr

 

„Flüchtlingsproblematik Wasserwege“ mit Christian Rathgeb u. Anja Klug
Vor der Abend-Veranstaltung in Scuol kommt es in Chur zu einem Treffen zwischen Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb und Anja Klug vom UNHCR. Christian Rathgeb ist Vorsteher des Departements fürs Justiz, Sicherheit und Gesundheit und Verantwortlich für das Amt für Migration. Am Erfahrungs-Austausch zwischen der „Basis“ und dem UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) werden auch Marcel Suter (Amtsleiter Amt für Migration und Zivilrecht) und Georg Carl (Abteilungsleiter Asyl und Vollzug, Amt für Migration und Zivilrecht) teilnehmen.
Das Gespräch ist nicht öffentlich.

Amt für Migration
Graubünden

www.uno-weltwasserwoche.ch

Anja Klug UNHCR Schweiz/Liechtenstein
Anja Klug UNHCR Schweiz/Liechtenstein
Lampedusa
Lampedusa

Donnerstag, 26. März 2015

"Alles im Fluss" und "Watermark, ein Film von schrecklicher Schönheit" am 26. März UNO-Weltwasserwoche in Engiadina Bassa.

„Alles im Fluss“ mit Irma Wehrli und Jörg Perron
Es wird eine Premiere anlässlich der UNO-Weltwasserwochen in Engiadina Bassa. Ein kulturelles Eintauchen und ein „pas de deux“ hoch oben im Chastè da Tarasp. Der einheimische Konzert-Organist Jörg Perron wagt es, die historische Orgel im Schloss aus dem Winterschlaf zu wecken. 
Die Wassermusik von Georg Friedrich Händel auf dem wilden Inn, das wäre wohl etwas schwierig: die Musiker würden wohl oft aus dem Takt geschüttelt. Aber über dem Inn, im Schloss Tarasp, auf der grossen romantischen Orgel mit ihren vielfältigen klanglichen Möglichkeiten im fürstlichen Saal,  da kommt die festliche Musik „königlich“ zur Geltung.
Die Musik von Händel wiegt sich im Zwischenspiel mit den Worten von Thomas Wolfe im „pas de deux“. Der Schriftsteller Thomas Wolfe (1900-1938), ein Kultautor für Generationen junger Amerikaner, ist tief eingetaucht in den Fluss der Zeit und hat dabei sein blaues Wunder erlebt. Die hochgelobte und mit Preisen ausgezeichnete Übersetzerin Irma Wehrli liest aus dem Roman „Von Zeit und Fluss“ und nimmt Sie mit in den Sog einer überschäumenden Prosa. Der Schnee schmilzt, das Wasser fliesst. Prümavaira es qua.

Chastè da Tarasp
Festsaal
17.00 Uhr
Kollekte

 

„Watermark – Ein Film von schrecklicher Schönheit“
Der zweite Filmabend ist nach dem Abenteuer- und Historienfilm Kon-Tiki einem anderen Genre gewidmet.
Ohne Wasser gibt es kein Leben, keine Zivilisation, keine wirtschaftliche Entwicklung. Wasser wird gestaut, um Energie zu gewinnen, es wird umgeleitet, um Wüste in Farmland zu verwandeln und Städte bewohnbar zu machen – meist mit verheerenden Konsequenzen. Der Dokumentarfilm EDWARD BURTYNSKY WATERMARK der mehrfach ausgezeichneten Regisseurin Jennifer Baichwal und dem international bekannten Fotografen Edward Burtynsky lädt auf eine beeindruckende Reise zu verschiedenen Orten auf der Welt ein, die der menschliche Eingriff in den Wasserkreislauf tiefgreifend verändert hat.
EDWARD BURTYNSKY WATERMARK erzählt in 20 Geschichten, gefilmt in 10 Ländern rund um den Globus, von der Lebensnotwendigkeit und der Schönheit des Elements Wasser. In teils aus der Luft aufgenommenen Bildern schlägt EDWARD BURTYNSKY WATERMARK einen eindrucksvollen Bogen vom grössten Staudamm der Welt im chinesischen Xiluodu über das ausgetrocknete Flussdelta des einst mächtigen Colorado und den U. S. Open of Surfing in Huntington Beach bis hin zum bewegenden Kumbh Mela Fest in Allahabad (Indien), wo sich 30 Millionen gläubige Hindus bei einem gleichzeitigen rituellen Bad im Ganges reinwaschen.
«Ein Film von schrecklicher Schönheit.»
3sat Kulturzeit
«Hinreissend schöner Film mit Bildern, die man so noch niemals gesehen hat.» Radio1

Bogn Engiadina Scuol
Grosses Wasserbecken
20.00 Uhr
Eintritt CHF 10,-

www.uno-weltwasserwoche.ch

Foto Schloss Tarasp erstrahlt während der 3. UNO-Weltwasserwoche 2015 in blau.

©Dominik Täuber

www.dt-fotos.com

Watermark
Watermark
Schloss Tarasp Orgel
Schloss Tarasp Orgel
Foto Schloss Tarasp Dominik Täuber Blau
Foto Schloss Tarasp Dominik Täuber Blau

Mittwoch, 25. März 2015

"Ardez liegt am Rhein" am 25. März UNO-Weltwasserwoche in Engiadina Bassa.

„Ardez liegt am Rhein“ mit Ernst Bromeis
Der Grenzschwimmer ist in Ardez aufgewachsen. Am bügl in Tuor hat er sein Velo gewaschen und die selbstgemachten Wasser-Spritzen für den heidnischen Wasserbrauch „San Jon“ mit Brunnenwasser gefüllt. Um schwimmend die Welt zu erkunden musste er den bügl in Ardez verlassen. Mit seinen Schwimm-Projekten unter dem Titel „Das blaue Wunder“ hat Bromeis eine einmalige und unnachahmliche Geschichte geschrieben. Was in den unzähligen Seen Graubündens 2008 begann endete 2014 nach 1200 Rheinkilometern in der Nordsee, im Meer. In seinem Vortrag erzählt er offen von seinen Expeditionen, sinniert über Training, Exposition, Scheitern sowie Glück und spricht über die Vision, als Wasserbotschafter seinen eigenen Weg zu gehen. Bromeis’ Fazit: „Auch der bügl in Tuor ist mit dem Rhein verbunden.“

Im Anschluss wird Medienfachmann Christian Gartmann mit Ernst Bromeis das Gespräch suchen und letzte Details zur Expedition Rhein 2014 zu ergründen versuchen.


Hotel Aurora
Ardez
20.00 Uhr

www.uno-weltwasserwoche.ch

Val Cadlimo
Val Cadlimo
Stausee Sontga Maria Lukmanierpass
Stausee Sontga Maria Lukmanierpass
"Überfahrt" D/NL
Rheinmündung
Rheinmündung
Team Expedition Rhein 2014
Team Expedition Rhein 2014

Dienstag, 24. März 2015

"Tropfen bilden einen Bach..." und "Trennen Mauern was ursprünglich verbunden war?" am 24. März UNO-Weltwasserwoche in Scuol.

„Tropfen bilden einen Bach. Bäche bilden einen Fluss. Flüsse bilden einen Strom“ mit Werner Reichle
Vor dem Anlass mit Köbi Gantenbein findet die ordentliche Generalversammlung der Pro Büvetta Tarasp statt. Der Verein für die Rettung der Trinkhalle wurde vor drei Jahren gegründet. Dazu der Präsident Werner Reichle: „Pro Büvetta Tarasp“ hat mit meiner Begeisterung für das Baujuwel, der Büvetta, begonnen. Allmählich hat sie sich verbunden mit dem Element Wasser und mit der Idee der neuen Nutzung als Weltwasserzentrum „Pol des Wassers“. Eine Generalversammlung kann zwar trocken sein, doch steter Tropfen höhlt den Stein und gibt die Hoffnung, dass bald die Geldströme fliessen!
Ich freue mich auf Ihren Besuch.“ Die Versammlung ist öffentlich.

Café Benderer
20.00 Uhr

 

„Trennen Mauern was ursprünglich verbunden war?“ mit Köbi Gantenbein
Nachdem 2014 Gion A. Caminada uns beehrt hat, freuen wir uns auf eine weitere prägende Persönlichkeit im Bereich der Architektur: Köbi Gantenbein. Der Herausgeber der Architektur- und Designzeitschrift Hochparterre beschreibt sich folgendermassen: „Die Wasserbiografie. Jahrelang war mir das Buch «Wilde Wasser - starke Mauern» das liebste; bald begeisterte mich das Können der Ingenieure und Baumeister, doch ich studierte auch den Zusammenhang zwischen Wasser, Brücken und Umweltzerstörung. Und schliesslich lief ich allen grossen Flüssen Graubündens von der Quelle bis zur Kantonsgrenze nach.“Seit 1988 „baut“ er heute mit 14 Kolleginnen, fünf Kollegen und einer Lehrtochter an Hochparterre. 2013 erhielt er den Zürcher Journalistenpreis. Seit 2014 ist Köbi Gantenbein Präsident der Bündner Kulturförderungskommission. Und - er war mal Bademeister...

Café Benderer
20.45 Uhr

www.uno-weltwasserwoche.ch

Köbi Gantenbein
Köbi Gantenbein
Büvetta/Trinkhalle
Büvetta/Trinkhalle

Montag, 23. März 2015

"Blaues Gold" und "Kon-Tiki" am 23. März UNO-Weltwasserwoche in Scuol.

„BLAUES GOLD“ – Ein Märchen aus den Bündner Bergen mit Annetta Baumann und Uorschla Rauch

Annetta Baumann erzählt in „BLAUES GOLD“ von der Bedeutung des Wassers als essentielle Lebensgrundlage. Ein Herrscher beschliesst: „Nun soll einer meiner Söhne König werden!“ Jeder der drei möchte auf dem Thron sitzen! Der Vater verspricht: „Wer den grössten Schatz des Reiches findet, der darf die Krone tragen.“ Zwei Prinzen sammeln auf ihrer Reise unermessliche Schätze. Der Jüngste begegnet erst einer arglistigen Hexe und erfährt später das Geheimnis der Quellnymphe. Für welchen der Prinzen entscheidet sich der König? Die Märchenstunde richtet sich an Kinder im Alter zwischen 5 und 10 Jahren. Die Eltern- und Grosseltern sind herzlich willkommen. 

 

Biblioteca populara
Scuol
Chasa du Parc
17.00 Uhr


„ Kon-Tiki – mit dem Floss Kulturen verbinden“ 

Letztes Jahr war es noch ein visuelles Experiment im und am Wasser. Jetzt schon nicht mehr wegzudenken. Auch die 3. UNO-Weltwasserwoche wird mit zwei Filmabenden bereichert. Die Filmvorführungen finden im speziellen Ambiente statt, nämlich im grossen Becken des Bogn Engiadina Scuol. 

Die Reise der Kon-Tiki wurde zur Legende: Der junge norvegische Forscher Thor Heyerdahl überquert 1947 auf einem selbst gebauten Floß aus Balsa-Hölzern, genannt Kon-Tiki, die Weiten des pazifischen Ozeans – mit ungewissem Ausgang. Die riskante Forschungsreise ist für den Norweger die einzig reale Chance, seine revolutionäre Theorie zu beweisen: Polynesien wurde vor 1500 Jahren zuerst – und zwar genau mit einem solchen Floß - von Südamerika aus besiedelt.

Fast 8000 Kilometer lang segelt der Nichtschwimmer auf dem primitiven Floß zusammen mit einer fünfköpfigen Crew über das offene Meer. Ohne jegliche moderne Ausrüstung ist die Kon-Tiki den Naturgewalten tagtäglich ausgesetzt. Die Geheimnisse der Tiefsee, gewaltige Orkane und brutale Haiangriffe in Kombination mit großen Emotionen und Konflikten innerhalb des kleinen Teams lassen die Tour zu einem der spektakulärsten Abenteuer des 20. Jahrhunderts werden.

 

Die Filmbesucherinnen und Filmbesucher dürfen die Vorführung in Badehose und Badekleid aus dem Wasser oder Barfuss und in legerer Bekleidung am Beckenrand im Kinostuhl geniessen.

 

Bogn Engiadina
Scuol
20.00 Uhr
Eintritt CHF 10,-

 

www.uno-weltwasserwoche.ch

 

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Samstag, 21. März 2015

"Und wo bleibt das Wasser?" mit Moritz Leuenberger und Risch Biert.

Was bedeutet Wasser für den ehemaligen Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsminister? Ein Transportweg? Ein Energiespender? Ein Umweltelement, das geschützt werden muss?

 

Oder bedeutet es sogar viel mehr? Ist Wasser Ursprung unseres Leben, unserer Sprache Kultur und Religion? Zu diesen und anderen Fragen versucht Moritz Leuenberger am Samstag, 21. März, Antworten zu finden.

 

Die Rede von Moritz Leuenberger wird eingerahmt mit Musik. Der Pianist Risch Biert (sein Vater stammte aus Scuol) wird Ausschnitte aus der Suite "A la riva da l'En" vom Bündner Komponisten Armon Cantieni interpretieren sowie das Prélude von Claude Debussy "Des pas sur la nège" vortragen. Im Weiteren erklingt eine eigene Improvisation über ein Gedicht des Engadiner Lyrikers Andri Peer.

Nach der Rede von Moritz Leuenberger wird der ehemalige Spitzenpolitiker mit Wasserbotschafter Ernst Bromeis ins Gespräch kommen. Noch offene Fragen können auch vom Publikum gestellt werden.

 

Moritz Leuenberger: 

Moritz Leuenberger ist einer der bekanntesten Politiker der Schweiz. Von 1995-2010 gehörte er dem Bundesrat an und war zweimal Bundespräsident. Als Vorsteher des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK begegnete er dem Wachstum der Mobilität mit einer nachhaltigen Verkehrspolitik und dem zunehmenden Energieverbrauch mit dem Energiegesetz und einer CO2 Abgabe.   

Während seiner Zeit als Nationalrat war er u.a. Präsident der PUK, welche zur Aufdeckung des Fichenskandals führte. In dieser Zeit gehörte er auch als Justizdirektor der Zürcher Regierung an. Er war der erste Schweizer Cicero-Preisträger für die beste politische Rede im deutschsprachigen Raum.

Moritz Leuenbergert
Moritz Leuenbergert
Risch Biert
Risch Biert

Freitag, 20. März 2015

Nichts verbindet (und trennt?) uns mehr als das Wasser

In einer Zeit wo vieles unterzugehen scheint ist es gut, wenn man schwimmen kann.

In diesem Winter 2015 sind uns die Krisen auf der Welt sehr nahe gekommen. Der Schweizer Tourismus und die Exportwirtschaft stehen inmitten grosser Herausforderungen. Die Flüchtlingsströme aus dem Süden gelangen auch zu uns in die Schweiz.

Wir verhandeln mit der EU über eine Zuwanderung nach unseren Vorstellungen, ohne die gewinnbringenden Bilateralen-Abkommen gefährden zu wollen. Die Krise in der Ukraine beschäftigt uns in Westeuropa mehr als uns lieb ist.

In diesem Umfeld gestalten wir die 3. UNO-Weltwasserwoche im Unterengadin. Es ist kein Ort für Auserwählte, an denen die oben beschriebenen Krisen wie ein Stück Holz im Inn vorbeiziehen würden. Nein, das Stück Holz ist gross und sperrig – und klemmt. Es braucht die ganze Kraft einer Gemeinschaft um das gestaute Wasser wieder ins Fliessen zu bringen.

Zeiten, in denen das Wasser bis zum Hals steht, fordern uns heraus gemeinsam zu schwimmen und zu kooperieren. Ein Weg ist es, nach dem suchen, was uns verbindet, und nicht nach dem zu streben, was uns trennt. Die UNO-Weltwasserwochen bieten einer ganzen Region die Chance auf dieser „verbindenden Welle“ zu reiten und mitzugestalten.

Die UNO-Weltwasserwochen sind innovativ. Aus der Unterengadiner Geschichte und Tradition heraus das Verbindende suchen um mit neuen Ideen weiter zu gestalten, ist der Antrieb. Innovation heisst nicht primär Millionenprojekte aus dem Boden zu stampfen, sondern mit Selbstbewusstsein organisch zu wachsen.

Ich freue mich auf gemeinsame, verbindende Tage. Bainvgnüts a l’aua.

Ernst Bromeis-Camichel, Grenzschwimmer und Wasserbotschafter,
Organisator UNO-Weltwasserwoche

www.uno-weltwasserwoche.ch 

Freitag, 28. November 2014

Zertifikat für Solidarit'eau Suisse durch UNDP

Strassburg 26. November 2014

Ehrung von Solidarit’eau Suisse durch Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP (United Nations Development Programme) "Global Water Solidarity"

Rede von Ernst Bromeis, Ambassador for Solidarit’eau Suisse
Water ambassador and long-distance, www.dasblauewunder.ch 

 

Sehr verehrte Damen und Herren,

Im vergangenen Sommer habe ich eine Expedition gemacht. Ich schwamm durch den Rhein. Nicht quer, sondern längs. Von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung bis nach Holland auf 1247 Kilometern.

Ich warb damit für das von der UNO anerkannte Menschenrecht auf sauberes Wasser. Ein Menschenrecht, das noch lange nicht umgesetzt ist.

Der Rhein ist der grosse Europäische Fluss. Als Grenz-Linie spielt er geschichtlich eine zentrale Rolle in Europa. Als kulturelle Wiege hat er Künstlerinnen und Künstler zu Weltkulturwerken inspiriert. Der Rhein fliesst im Spannungsfeld zwischen den archaischen Landschaften in den Alpen und den zivilisatorischen Errungenschaften, wie Häfen und Industrieanlagen von Basel bis zur Mündung in den Niederlanden. Der Rhein ist Trinkwasser- und Lebensreserve für millionenfaches Leben am und in diesem grossartigen Fluss.

Warum bin ich also geschwommen?

Weil der Rhein mit seinem Wasser uns alle verbindet. Doch nicht nur der Rhein verbindet uns, sondern das Wasser als solches verbindet uns alle Menschen. Schicksalhaft. Denn wir haben nicht die Wahl, ob wir Wasser nutzen wollen oder nicht. Wir alle müssen Wasser nutzen.

In einer globalisierten Welt sind wir alle miteinander verbunden. Wir sind nicht nur durch das Wasser verbunden sondern auch durch Empathie. Wir in der Schweiz leben an der Quelle. Die Quelle Europas. Ein Glück und ein Privileg.


Der Name unseres Projektes «Solidarit-Eau» besteht aus zwei Teilen: Solidarität und EAU – französisch für WASSER. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, fördert mit Solidarit’eau Suisse ein Projekt, das so bestechend ist, weil es so einfach ist.

Pro Einwohner können eine Gemeinde oder eine Stadt im Durchschnitt 1 CHF jährlich für gemeinnützige Projekte spenden. Ich als Botschafter für Solidarit’eau Suisse versuche mich einzusetzen, dass noch mehr Gemeinden und Städte das Projekt unterstützen.

Wenn ich nicht schwimme, arbeite ich an Land. Ich engagiere mich für ein Weltwasserzentrum „Pol des Wassers – Pol des Lebens“. Im Weltwasserzentrum sollen verschiedene Aspekte im Zusammenhang mit dem Wasser und dem Leben diskutiert und präsentiert werden. Mitten in den Alpen, an der Quelle soll das Weltwasserzentrum entstehen. Ein Ort der Bildung – ein Ort der Begegnung.


 

Ich glaube fest daran, dass Empathie und Solidarität durch Bildung in uns Menschen gedeihen können. Wir in der Schweiz und in anderen hoch entwickelten Ländern brauchen noch mehr Solidarität und Empathie für die Menschen dieser Welt. Wir sind alle verbunden durch das Wasser.

Dafür brauchen wir Solidarit’eau Suisse und einen „Pol des Lebens“. Damit wir nicht nur an uns denken, sondern auch an alle die Menschen, die mit uns schicksalhaft verbunden sind.

Denn: das Menschenrecht auf Wasser muss realisiert werden.

 

Als Botschafter der Initiative «Solidarit’eau» bin ich sehr froh, dass Sie unser Projekt auszeichnen. Es zeigt, dass wir auch in den Augen anderer auf einem guten Weg sind. Und die Öffentlichkeit um diese Auszeichnung hilft uns, zuhause in der Schweiz noch mehr Menschen, noch mehr Städte und Gemeinden für unsere Anliegen zu sensibilisieren.

Im Namen der Menschen, die noch immer keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, danke ich Ihnen allen, für alles was Sie tun. Und für die Auszeichnung, die uns sehr stolz macht.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

Solidariteau Suisse
Solidariteau Suisse

Mittwoch, 20. August 2014

Hinaus auf das offene Meer (20.08.2014)

Schon eine Stunde vor dem geplanten Startzeitpunkt im Berghaven von Hoek van Holland belagern die Medien Ernst. Die Holländer sind «wasserverrückt» die Radios, Zeitungen und Fernsehsendungen haben Ernst und seine erfolgreiche Expedition in Rekordzeit aufgenommen und zu einem grossen Thema gemacht.

Nach einem Sicherheitsbriefing mit der Crew des Begleitbootes der Hafenmeisterei von Rotterdam läuft das hochseetaugliche Patrouillenboot aus dem kleinen Hafenbecken in den Kanal aus. Im Top des Masts weht die Bündner Flagge.

Vor den Linsen der Fernsehteams und Fotografen springt Ernst ein letztes mal in den Rhein. Anfangs ist Ernst im fast flachen Wasser unterwegs, aber je näher er dem offenen Meer kommt, desto höher werden die Wellen. Bald schwimmt er in 60 bis 150 cm hoher Dünung hinaus aufs offene Meer. 

An Bord des Patroiullenbootes verfolgen Kapitän Pablo, Lotse Han und Dokumentarfilmerin Dorothée die letzten Kilometer von Ernst auf seiner Expedition. Mit dabei ist auch Ernst Denoth, der extra aus der Schweiz angereist ist. An Land ist Ernsts Familie mit Martin unterwegs und am Strand von Hoek van Holland bereitet Christian zusammen mit Isabel die letze Medienkonferenz vor.

Kurz vor 11 Uhr geht Ernst an der Position 51° 59,743' N / 4° 2.472' E in der Nordsee vor Hoek van Holland wieder an Bord des Patrouillenbootes. Emotional aufgewühlt fährt er im Kreis seiner Mannschaft zurück in den Berghaven. 

Die Medienkonferenz am Strand wird zu einem kleinen, familiären Happening. Das ganze Team ist anwesend und lässt das Erlebte noch einmal Revue passieren. Ein emotionaler Moment für alle: Die letzten sieben Wochen haben diese heterogene Gruppe zusammengeschweisst. Zusammen mit Ernst hat sie viel erlebt.

Der abschliessende Fototermin findet am Strand statt. Ernst geniesst es, im Sand zu laufen zu können: Am 7. Juli hatte er am Lago di Dentro Eis unter den Füssen...

Nach einer letzten Teamsitzung trennen sich die Wege von Ernsts Begleitern. Die Expedition 2014 ist erfolgreich beendet.

140820_Team Expedition 2014 © Das blaue Wunder - Cornelia Camichel  small
140820_Team Expedition 2014 © Das blaue Wunder - Cornelia Camichel small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 3 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 3 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 4 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 4 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 2 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland 2 © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland_NOS TV © Das blaue Wunder - Belli Wenger small
140820_Ernst Bromeis_Hoek van Holland_NOS TV © Das blaue Wunder - Belli Wenger small

Dienstag, 19. August 2014

Die grosse Passage (19.08.2014)

Bei der Ersamusbrücke in Rotterdam liegt der Rhein-Kilometer 1001 – gemessen ab Konstanz. Sie ist für Ernst ein weiterer «magischer Ort» auf seiner Expedition. Schon um halb sieben bricht er mit der besten Gezeitenströmung auf, um die Stadt vor 9 Uhr zu erreichen. Das Vorhaben gelingt: Just zum Einsetzen der Flut vollendet er den Kilometer 1001 unter der Erasmusbrücke. «Wir hätten keine 10 Minuten länger schwimmen können», lacht er bei der Pause beim Rotterdamer «Hotel New York».

Die Bevölkerung von Rotterdam macht die Passage zu einem besonderen Erlebnis: Radiostationen in der Stadt hatten am frühen Morgen ausführlich über den Schweizer Schwimmer berichtet, über dessen «kleine, leise» Expedition bisher kaum jemand etwas gewusst hatte. In Rotterdam stehen nun hunderte von Schaulustigen an den Ufern des Rheins und winken Ernst und seinen Begleitern zu. «Das war richtig inspirierend.»

Beim Kilometer 1001 ist aber vorerst auch wieder Schluss mit Schwimmen: Die Hafenmeisterei erlaubt weder das Durchschwimmen der Einfahrten zu den zahlreichen Hafenbecken, noch des 20 Kilometer langen Kanals für Hochseeschiffe zwischen Rotterdam und Hoek van Holland.

Ernst nimmt’s sportlich und geht die anstehenden gut 30 Kilometer noch einmal zu Fuss: «Natürlich ist es ärgerlich, dass ich diese Strecke trotz meiner erfahrenen Begleiter nicht schwimmen darf. Aber die Weisung dient objektiv betrachtet meiner Sicherheit und sie ist auch zu respektieren.»

Allein zu Fuss unterwegs nimmt er gedanklich Abschied vom Rhein und seiner Expedition 2014. Er ist froh, wieder nach Hause zu kommen und gleichzeitig sehr traurig, dass sein grosses Projekt nun morgen zu Ende geht.

140819_Kilometer 1001 © Das blaue Wunder - Pablo Pinkus
140819_Kilometer 1001 © Das blaue Wunder - Pablo Pinkus

Montag, 18. August 2014

Auf Meereshöhe (18.08.2014)

Am zweiten Tag im Einfluss der Gezeiten steigt Ernst um 11:30 Uhr ins Wasser. Weil durch die Gezeiten nur sechs Stunden zum Schwimmen zur Verfügung stehen, versucht er, jede Minute zu nutzen. Die Pausen zum Essen und Trinken fallen so kurz aus wie vorher nie während der Expedition. 

Starker Wind und schnell wechselndes Wetter erschweren wie gestern das Vorwärtskommen. Böen bis zu Windstärke sechs peitschen Ernst Wellen ins Gesicht, dazwischen fällt immer wieder Starkregen. 15 der 20 Tageskilometer meistert er statt im Crawl- im Bruststil. Die Rhein-Geraden in der Ebene scheinen endlos, aber Ernst beisst sich durch. In Krimpen an der Lek hat ist das Tagesziel von 20 Kilometern erreicht - das Navigationssystem zeigt nun Meereshöhe an. 

Das Team übernachtet bei einem kleinen Bootshafen. Nach dem intensiven Tag freuen sich alle auf ein Käsefondue – zubereitet von Isabel, die seit Duisburg als Logistkerin, Fahrerin und Allrounderin beim Team ist. Vor dem Team liegt Rotterdam!

140818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek2 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann  small.JPG
140818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek2 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann_small.JPG
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170818_Ernst Bromeis_Windmühlen_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Windmühlen_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Tanker_Krimpen an der Lek © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
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170818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek3 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG
170818_Ernst Bromeis_Krimpen an der Lek3 © Das blaue Wunder - Christian Gartmann small.JPG

Sonntag, 17. August 2014

Die Regeln von Vater Rhein (17.08.2014)

Der Rhein macht seine eigenen Regeln – und die können mehrmals täglich ändern. Wer den Rhein schwimmt, hat sich darauf einzustellen. Für heute waren erstmals Gezeiten angekündigt: 90 Kilometer vor der Küste drückt die Flut aus dem Meer ins Rheindelta – der Rhein sinkt und steigt mit Ebbe und Flut. Gegen die ansteigende Flut anzuschwimmen ist sinnlos. Zweimal pro Tag bietet sich ein Zeitfenster von maximal sechs Stunden, um bei ablaufender Flut zu schwimmen. Leider liegt meist eines davon in der Nacht. 

Für die Querung der Häfen von Rotterdam und die Gezeitenproblematik ist neu Han Huson im Team. Han ist pensionierter Lotse; während 25 Jahren hat er Kapitänen von 50 bis 300 Meter langen Schiffen den richtigen Weg durch schwierige Passagen auf dem Weg in die grossen Häfen gezeigt. Zu seinen Kunden gehörten Frachtschiffe, Passagierdampfer und militärische Schiffe; ja sogar das russische Schulschiff «Mir», ein imposanter Dreimaster, waren darunter.

Han hatte die Rheinkarten, Gezeiten-Tabellen und spezielle Strömungstabellen studiert und errechnet, dass der früheste, vernünftige Startzeitpunkt nicht vor 12:00h sein würde. Dann würde die Flut wieder beginnen, ins Meer abzulaufen. Das Team durfte heute also ausschlafen – aus lauter Gewohnheit waren aber fast alle schon um sechs Uhr wach. 

Ernst wusste, dass ein schwieriger Tag bevorstand. In nur sechs Stunden zwischen 12 und 18 Uhr musste er so viele Kilometer wie möglich schaffen und wollte dazu so lange wie möglich im Wasser bleiben. Das Wetter spielte ihm aber übel mit: Schon frühmorgens blies der Südwest- und Westwind mit fünf und mehr Windstärken und sorgte für Wellen wie in einem grossen See. Am Nachmittag kam dann ergiebiger Regen dazu, der gegen Abend so intensiv wurde, dass sich sogar die Sicht verschlechterte. Dennoch schaffte Ernst 21 Kilometer. Auch morgen geht es wieder am Mittag los und Vater Rhein macht auch morgen wieder die Regeln.

140817_Han Huson © Das blaue Wunder - Christian Gartmann-small
140817_Han Huson © Das blaue Wunder - Christian Gartmann-small
140817_Schoonhoven © Das blaue Wunder_small
140817_Schoonhoven © Das blaue Wunder_small

Samstag, 16. August 2014

Bergaufschwimmen zur letzten Schleuse (16.08.2014)

Der Lärm eines Platzregens auf dem Dach des Wohnmobils macht die Mannschaft früh hellwach. Das Wetter reisst aber rasch auf und zeigt sich zum Startzeitpunkt freundlich. Nun ist es windstill und Ernst kommt gut voran, obwohl er fast keine Strömung nutzen kann.

Nur fünf Kilometer nach dem Frühstück wartet die erste Schleuse – von weitem schon sind die Betonbauten der Stauwehre in der topfebenen, sattgrünen Landschaft zu sehen.

Schleusen sind für Schwimmer nichts Gutes: Kilometer vor und nach den Toren ist das Schwimmen aus Sicherheitsgründen verboten. Nach dem Wiedereistieg saugen sie Ernst bergwärts – mit mühsamer Ausdauerarbeit befreit er sich Meter um Meter aus ihrer destruktiven Anziehungskraft.

Ab Mittag kommt Wind auf. Zuerst zaghaft, dann immer stärker. Gegen Abend kämpft Ernst gegen Westwind mit Stärke fünf. Es ist, wie wenn er bergauf schwimmen müsste. 

Nach insgesamt sechs Stunden im Wasser und 30 Kilometern ist die Schleuse Hagestein dann doch erreicht. Sie ist die letzte auf der langen Expedition durch Europa an die Nordsee.

Ab morgen sind wir im Rheindelta – und damit den Gezeiten ausgesetzt. Aber das ist ein anderes Thema...

140816_Schleuse Hagestein © Das blaue Wunder - Belli Wenger
140816_Schleuse Hagestein © Das blaue Wunder - Belli Wenger

Freitag, 15. August 2014

Von der Brücke ins Niemandsland (15.08.2014)

Als «Die Brücke von Arnheim» wurde die alte Rheinbrücke nach dem zweiten Weltkrieg weltbekannt. Neben ihr steht in Arnheim aber auch die Nelson Mandela Brücke: Auf sie hat sich Ernst besonders gefreut.

«Wie weit würde ich für meine Ideale gehen?», fragt er sich anhand des Beispiels von Nelson Mandela: «Mandelas Leben beweist eindrücklich, was ein einzelner Mensch bewegen kann. Ich will meinen Weg durch den Rhein nicht mit dem jahrzehntelangen Leiden von Mandela vergleichen. Aber was ich tue, berührt Menschen – und das freut mich sehr.»

Nach Arnheim folgen noch einmal drei Schleusen: Knochenarbeit für Ernst. Schleusen sind Mauern und sie unterbinden die Strömung im Fluss. Dazu kommen sintflutartige Regenfälle und Sturmböen, die über Ernst und seine Begleiter in der «Blue Connects» niedergehen. 

Nach den abwechslungsreichen Tagen mit viel Strömung und vielen, schönen Städten fliesst der Nederrijn sehr gemächlich durch meist offene Landschaften. «Wie im Niemandsland», konstatiert Ernst am Abend. Statt – wie vorgestern – 60 Kilometer erackert sich Ernst 34 Kilometer. Eine tolle Leistung!

Ein Aufsteller sind die Holländer: Sie helfen dem Team, wo sie können. Einige warten mehrere Stunden am Ufer und auf ihren Booten, um Ernst beim vorbeischwimmen zu applaudieren. Morgen noch einmal zwei Schleusen, dann kommen die Gezeiten den Rhein hoch. Rotterdam, wir kommen!

140815_Ernst Bromeis_Nelson Mandela Brücke_Arnheim © Das blaue Wunder - Han Husson_small
140815_Ernst Bromeis_Nelson Mandela Brücke_Arnheim © Das blaue Wunder - Han Husson_small

Donnerstag, 14. August 2014

Holland ! (14.08.2014)

MEDIENINFORMATION VOM 14. AUGUST

Ernst Bromeis hat die Niederlande erreicht. Der Bündner Wasserbotschafter und Langdistanzschwimmer legte am Donnerstagmorgen in Millingen aan de Rijn die erste Kurzpause auf niederländischem Boden ein. Von den 1247 Kilometern seiner Expedition 2014 hat er nun 1080 hinter sich. Kommende Woche wird er voraussichtlich an der Rheinmündung in Hoek van Holland eintreffen.

«Mit Holland verbinden mich seit Jahren persönliche Freundschaften und heute vor allem die Freude, dass die Rheinmündung nun spürbar näher kommt,» strahlte Ernst Bromeis in Millingen aan de Rijn. Nach der Durchquerung des Ruhrgebiets am Dienstag hatte er am Mittwoch unterhalb von Duisburg die 1000-Kilometermarke passiert. Bei guten Wetterbedingungen und bester Strömung hatte er diese Woche bis zu 60 Kilometer täglich zurückgelegt. Zahlreiche Zuschauer hatten ihm von Deichen und Brücken zugewinkt und applaudiert.

Mit seiner «Expedition 2014» wirbt Bromeis für das UNO-Menschenrecht auf sauberes Wasser. Am 7. Juli war er zum zweiten Versuch aufgebrochen, den Rhein von der Quelle bis zur Mündung zu durchschwimmen. Bromeis ist mit seiner Initiative «Das blaue Wunder» seit 2007 als Wasserbotschafter tätig. Schwimmend durchquerte er 2008 200 Seen in seinem Heimatkanton Graubünden und 2010 die grössten Seen jedes Schweizer Kantons. 2012 hatte er zum ersten Mal versucht, den Rhein von der Quelle bis zur Mündung zu durchschwimmen. 

«Meine Schwimm-Expeditionen schaffen die Öffentlichkeit, die ich brauche, um als Wasserbotschafter gehört zu werden. Der nachhaltige Umgang mit Wasser und das noch immer für sehr viele Menschen unerreichte Menschenrecht auf sauberes Wasser sind seit Jahren meine zentralen Anliegen.»

 

Bild: Die holländische Grenze überquerte Ernst mit passender Badekappe: Ein Geschenk holländischer Freunde aus Davos.

140814_Ernst Bromeis_arrived in Holland © Das blaue Wunder - Dorothée Meddens_small
140814_Ernst Bromeis_arrived in Holland © Das blaue Wunder - Dorothée Meddens_small

Mittwoch, 13. August 2014

Vierstellig (13.08.2014)

Das Morgenrot mit Schwerlastschiffen die den Rhein hochkeuchen, Industrieschloten und Kühltürmen wirkt beflügelnd: Ernst steigt schon um 7:30h ins Wasser unterhalb Duisburg. Kanute Peter Gujan – im Hauptberuf Bergführer – ist heute noch einmal dabei.

Der Verband kommt gut vorwärts und hat am Mittag beim zweiten Stopp auf der Insel Grav schon 31 Kilometer geschafft. Bis zum dritten Stopp bei sind es deren 48 - schon eine gute Tagesleistung. Peter muss noch einen Zug zurück in die Schweiz nehmen und hetzt mit Dorothée zum Bahnhof.

Ernst beschliesst, noch eine vierte Teiletappe anzuhängen: Am Abend hat er fast 60 Kilometer geschafft. Er gibt zwar nicht viel auf Zahlen und Rekorde, aber der heutige Sechziger freut ihn.

Und noch eine spezielle Marke hat er geknackt: Drei Kilometer nach dem Start durchschwamm er den Rheinkilometer 789: Da die Kilometrierung des Rheins erst in Konstanz beginnt, kann man dazu 211 Kilometer hinzurechnen. Die Expedition 2014 ist nun also seit über 1000 Kilometern unterwegs!

140813_Duisburg am Morgen © Das blaue Wunder
140813_Duisburg am Morgen © Das blaue Wunder

Dienstag, 12. August 2014

Im Herz des Ruhrgebiets (12.08.2014)

Mit Düsseldorf und Duisburg durchschwimmt Ernst heute gleich zwei deutsche Industriemetropolen ersten Ranges: Hier schlug und schlägt das Herz vieler deutscher Grosskonzerne.

Wo einst Bergbau und Stahlwerke dominierten, säumen heute Unternehmen aller Branchen die Rheinufer. Ernst und seinen Begleitern fallen neben den teils riesigen Bauten und Anlagen vor allem die nicht immer sehr angenehmen Gerüche auf.

Die Passage durch Düsseldorf ist mit mehreren engen Kurven eine sportliche Herausforderung: Ernst muss hart arbeiten, damit er nicht in die Mitte Fahrtrinne treibt. Hier ist der Rhein am tiefsten und die Strömung am stärksten. Aber hier fahren auch die Schiffe – für einen Schwimmer und seine Begleiter ein genau so lebensgefährliches wie verbotenes Gebiet.

Sonne und Wolken wechseln sich im Minutentakt ab - der Rhein vor der Altstadt von Düsseldorf zeigt sich in gleissendem Licht. Schon wenige Kilometer danach folgt Duisburg. Hier fliesst die Ruhr in den Rhein – sie gibt dem Rohrgebiet seinen Namen.

Für zwei Begleiter am Ufer sind die hoch industrialisierten Gebiete eine Herausforderung: Das Rheinufer ist gesäumt von abgeschlossenen Industrieanlagen und Hafenbecken für grosse Schiffe – für die Pausen und die Übernachtungen sind gute Plätze rar.

Abends erhält das Team Gastrecht im Restaurant «Haus Rheinblick» in Duisburg-Baerl. Der Rheinkilometer 786 ist erreicht. Morgen steht eine runde Zahl an...

140812_Düsseldorf © Das blaue Wunder - Christian Gartmann
140812_Düsseldorf © Das blaue Wunder - Christian Gartmann
140812_Ernt Bromeis_Fähre Meerbusch-Kaiserswerth © Das blaue Wunder - Christian Gartmann.JPG
140812_Ernt Bromeis_Fähre Meerbusch-Kaiserswerth © Das blaue Wunder - Christian Gartmann.JPG

Die Mutterschiff-Panne (12.08.2014)

Mit Köln und dem Ruhrgebiet liegen jetzt die ganz grossen Siedlungs- und Industriegebiete Deutschlands vor der Expedition 2014. Trotzdem finden sich immer noch grüne Streifen rechts und links des Rheins, sei es für die täglichen Pausen oder die Übernachtungen.

Ernst und die kleine Mannschaft stechen oberhalb Köln in den Fluss. Vor ihnen liegt die Stadt mit dem markanten Dom: eine der grössten gotischen Kathedralen der Welt. Die fast 160 Meter hohen Doppeltürme sind ein Wahrzeichen, auf das Ernst sich lange gefreut hat. Bei bestem Wetter passiert er mit seinen beiden Begleitern die Stadt. Später wird der Himmel grau, Regen und starke Windböen fegen über den Rhein. Dennoch schafft Ernst nicht weniger als 58 Kilometer.

Hinter den Kulissen ist der Tag hektisch: Unser Wohnmobil liegt mit einem elektrischen Problem flach. Erst nach drei Stunden kommt ein Abschlepper, der den Wagen zu einer kleinen Garage bringt: Auto de Graef in Köln Pesch. Dort geht dann alles schnell: Sofort wird der Fehler gesucht, ein Ersatzteil muss aus Düsseldorf geholt und eingebaut werden. Toller, freundlicher Service! 

Das Wohnmobil ist wieder flott. Es ist Wohnzimmer, Kleiderschrank, Küche und Briefing-Raum des Teams und wird deshalb auch liebevoll «das Mutterschiff» genannt. Am Abend steht es schon vor den Toren Düsseldorfs.

140811_Köln © Das blaue Wunder - Pablo Pinkus
140811_Köln © Das blaue Wunder - Pablo Pinkus

Sonntag, 10. August 2014

Eine Etappe für Klaus Pechstein (1941–2013) (10.08.2014)

Der Höhepunkt der Sonntagsetappe kommt gleich zu Beginn: Schon nach 12 Kilometern erreicht Ernst das Städtchen Linz am Rhein. Hier wohnte zeitlebens Klaus Pechstein, der bisher einzige Mann, der den Rhein von Ilanz bis Hoek van Holland geschwommen ist.

Am Bootssteg wartet Pechsteins Tochter Christiane. Sie war gerade drei Monate alt, als Klaus Pechstein sich daran machte, seinen Traum zu verwirklichen. «Jetzt oder nie» hatte sich der junge Vater wohl gesagt, als er im September 1969 in der Surselva startete.

«Die Geschichte Ihres Vaters hat mich inspiriert, es nach dem Abbruch 2012 noch einmal zu versuchen», erzählt Ernst einer sichtlich gerührten Christiane Pechstein. «Er war aus dem Holz geschnitzt, aus dem Pioniere sind.» 2012 hatte er – noch bei guter Gesundheit – die Expedition von Ernst genau mitverfolgt. Dann, vor einem Jahr, verstarb Klaus Pechstein.

Seine Expedition 1969 erregte grosses Aufsehen: Zeitungen entlang der gesamten Strecke berichteten in Text und Bildern, Raduoreportagen und Fernsehbeiträge machten ihn für kurze Zeit zum Idol. Selbst im damaligen Flaggschiff aller Sportsendungen, dem ZDF Sportstudio, war er zu Gast. Pechstein spielte Spiel mit den Medien gekonnt. Für die Fotografen liess er sich im Wasser auch einmal mit einem Glas Bier oder eine Zigarette rauchend abbilden.

Pechstein hatte immer am Rhein gelebt. Schon als kleiner Junge schwamm er im Fluss, später liess er sich von Lastkähnen im Gummiboot einige Kilometer Richtung Koblenz schleppen und paddelte wieder hinunter nach Linz. Der gelernte Silberschmied hatte eine ausgeprägte, künstlerische Ader. In Schwäbisch Gmünd besuchte er die Kunstschule und lerne dort auch seine Frau Hildegard kennen. 1969 kam dann Tochter Christiane zur Welt.

«Mein Vater war immer voller Träume und Pläne» erzählt Christiane Pechstein. «Er wollte in einem Boot Norwegen umrunden, leider wurde daraus nichts.» Ein Zeitungsbericht, wonach er den Mississippi schwimmen wollte, bezeichnet sie allerdings als «Ente».

Was aber kaum jemand weiss: 1983, 14 Jahre nach seiner Pionierleistung, startete Klaus Pechstein ein zweites Mal, um den Rhein zu bezwingen. Er schaffte es bis zum Bingener Loch, vor der Bergstrecke zur Loreley. Wo er 1969 noch mit einem Schlauchboot als Begleitung schwimmen durfte, verlangten die Behörden nun eine zweite Begleitung. Die Kosten dafür konnte Pechstein sich nicht leisten. Enttäuscht musste er seinen zweiten Versuch abbrechen.

Als Andenken erhält Ernst von Christiane Pechstein ein Original-Aquarell von Klaus Pechstein. Das Treffen in Linz berührt nicht nur die Tochter Klaus Pechsteins: Auch Ernst verlässt den Ort nur ungern. «Wir sehen uns wieder», verspricht er beim Abschied. «Dann möchte ich mir in Ruhe alle Dokumente von 1969 anschauen.»

140810_Pechstein lachend © Christiane Pechstein klein
140810_Pechstein lachend © Christiane Pechstein klein
140810_Pechstein Hafen Rotterdam © Christiane Pechstein klein
140810_Pechstein Hafen Rotterdam © Christiane Pechstein klein
140810_Pechstein Alpenrhein © Christiane Pechstein klein
140810_Pechstein Alpenrhein © Christiane Pechstein klein
140810_Pechstein rauchend © Christiane Pechstein klein
140810_Pechstein rauchend © Christiane Pechstein klein
140810_Ernst Bromeis und Christiane Pechstein in Linz am Rhein © Das blaue Wunder - Christian Gartmann_klein.JPG
140810_Ernst Bromeis und Christiane Pechstein in Linz am Rhein © Das blaue Wunder - Christian Gartmann_klein.JPG